Teddy hat 125.Geburtstag!
Ehrung für Ernst Thälmann
Die fast 40 Teilnehmer im Pößnecker Ehrenhain haben nicht die „Ikone Thälmann“ aus SED-Zeiten geehrt, sondern sein Verdienst als Kämpfer und Arbeiterführer hunderttausender Proletarier gegen Militarismus, Faschismus und Krieg. Die Inhaftierung im KZ und der feige Mord durch die SS, bleiben uns unvergessen. Er steht in der Reihe tausender Männer und Frauen, die sich aktiv im antifaschistischen Widerstand beteiligt haben.
In der Erinnerung der älteren Sozialisten ist und bleibt er ein leuchtendes Vorbild der linken Bewegung. Die historische Person ist jedoch zu Recht umstritten. Ernst Thälmann wird oft verklärt oder eben auch in den Dreck gezogen. Seine langanhaltende Treue zu Stalin ist jedoch nicht seine persönliche Schuld, sondern einer falschen revolutionären Didaktik geschuldet.
"Wir wollen Thälmann auf keinem Fall den Antikommunisten noch stalinistischen Apologeten überlassen", wie treffend ein Sprecher von re[d]solution sagte.
Nachdem für Thälmann, Liebknecht und Luxemburg Blumen niedergelegt wurden, folgte ein selbst gestaltetes Kulturprogramm. Abeiterlieder wurden gesungen und mit einer Mundharmonika begleitet.
Zum Abschluss erfolgte ein Aufruf zur Teilnahme an der diesjährigen 1. Mai Demonstration in Pößneck, als richtige Schlussfolgerung der Teilnehmer, zur konsequenten Fortsetzung des Wirkens, der vielen tausenden Menschen, die sich wie Thälmann im Kampf um Befreiung verdient gemacht haben.
Artikel aus Neues Deutschland vom 16. April 2011
Ernst Thälmann (Foto: ND-Archiv)
Ein Kämpfender, Leidender, Irrender
Vor 125 Jahren wurde Ernst Thälmann geboren
Von Klaus Kinner
Die Partei DIE LINKE wurzelt in verschiedenen Traditionszusammenhängen und steht in einem reichen und fruchtbaren wie auch tragischen und schuldvollen Erbe. Neben sozialdemokratischen und linkssozialistischen Traditionen gehören die des deutschen Kommunismus zu den prägenden ihres historischen Selbstverständnisses. Es ist die Partei Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts, Clara Zetkins, Paul Levis und August Thalheimers, denen sich die Linkspartei vor allem verbunden fühlt. Die KPD ist aber auch nicht ohne Ernst Thälmann zu denken. Der Kampf hunderttausender Proletarier gegen Militarismus, Faschismus und Krieg wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben.
Ernst Thälmann kam als 39-Jähriger an die Spitze der Partei. Nach schweren Klassenkämpfen und komplizierten innerparteilichen Auseinandersetzungen stand der am 16. April 1886 in Altona Geborene vor Aufgaben, die ein Höchstmaß an intellektuellen und politischen Fähigkeiten abverlangten. Es war dies die Zeit, in der sich der Stalinismus zunehmend in der internationalen kommunistischen Bewegung durchsetzte. Thälmann trug diese Entwicklung voller Überzeugung mit. Die Sowjetunion und die Politik ihrer Führung blieb für ihn Zeit seines Lebens nicht hinterfragtes Vorbild. Die Stalinisierung der weltweit größten kommunistischen Partei außerhalb der Sowjetunion, der KPD, gehört zu den tragischen Kapiteln der Geschichte.
Für die sich konstituierende Partei des demokratischen Sozialismus gehörte deshalb zum Bruch mit dem Stalinismus als System unverzichtbar auch die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der KPD. Mangels demokratischer Legitimation hatten die Führungen der SED ihren Herrschaftsanspruch nicht zuletzt aus dem von ihnen geschaffenen Mythos um Thälmann und der Kontinuität des jeweiligen Politbüros zum »Thälmannschen Zentralkomitee« abgeleitet. Kritik oder Zweifel an der Thälmann-Legende waren unerwünscht und unerlaubt. Der Thälmann-Mythos in der DDR hatte mit der historischen Person nur noch wenig zu tun. Dabei erweist sich der Mensch aus Fleisch und Blut als interessante und widerspruchvolle Gestalt, dessen Leben über das vergangene Jahrhundert weit mehr auszusagen vermag als die zur Ikone erstarrte Figur.
[...]
Im Umfeld der PDS wie der Linkspartei ist hingegen in den vergangenen zwei Jahrzehnten intensiv zur Geschichte des deutschen Kommunismus geforscht worden. Konturen eines neuen, vielschichtigen und pluralen Bildes sind sichtbar geworden. In diesem hat Thälmann seinen Platz. Er wurde keinesfalls demontiert. Ernst Thälmann wird als kämpfender, irrender, strategisch überforderter, leidender, standhafter, Stalin dienender und zugleich von diesem gedemütigter und fallengelassener Kommunist gezeichnet. Thälmann ist keine Ikone mehr. So hat die Linke ihn zurück gewonnen. Und sie überlässt ihn weder den Antikommunisten noch stalinistischen Apologeten.
redsolution




















